Für Jugendliche ist das Handy ständiger Begleiter: Laut JIM-Studie 2025 verbringen 12- bis 19-Jährige im Schnitt 3 Stunden und 51 Minuten pro Tag am Handy. Viele Eltern fragen sich: Wie soll mein Kind sich da noch richtig konzentrieren? Wann bleibt Zeit für Hausaufgaben und Lernen? Und was kann ich konkret tun, ohne gleich zur „Digital-Polizei“ zu werden? Die gute Nachricht lautet: Als Elternteil können Sie Lernumgebung Ihres Kindes maßgeblich mitgestalten und durch klare Regeln und Absprachen Konzentrationsprobleme minimieren. Dieser Beitrag fasst Forschungsergebnisse so zusammen, dass Sie sie im Alltag nutzen können – mit praxisnahen Tipps, die leicht zu realisieren sind.

Warum fällt Konzentration heutzutage schwerer?

Konzentration bedeutet vereinfacht:

  • Fokus halten
  • Ablenkungen ausblenden

Unsere Kinder leben jedoch in einer Umgebung, die genau das Gegenteil trainiert: ständige Reize, ständige Erreichbarkeit, permanentes „Ping!“

Die JIM-Studie, die seit 1998 das Medienverhalten von Jugendlichen untersucht, stellt 2025 dazu fest: 93 Prozent aller Jugendlichen besitzen ein eigenes Smartphone, 89 Prozent nutzen es täglich. Fast die Hälfte der Befragten (44 Prozent) gab an, dass das Smartphone sie regelmäßig bei den Hausaufgaben ablenke.

Ablenkung durch das Smartphone und damit verbundene Konzentrationsprobleme sind kein Problem einzelner Jugendlicher. Vielmehr ist eine ganze Generation Heranwachsender von der Problematik betroffen.

Was die Wissenschaft über Smartphones und Konzentration sagt

Täuscht der Eindruck, dass Smartphones perfekte Ablenkungsmaschinen sind? Wohl nicht, denn zentrale Studienergebnisse bestätigen dieses Gefühl, das viele Eltern teilen.

Schon die bloße Anwesenheit des Smartphones stört die Konzentration

Eine oft zitierte Studie von Ward et al. (2017)  zeigt: Allein die bloße Anwesenheit des eigenen Smartphones – ausgeschaltet und mit dem Display nach unten – reduziert die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung. Die Forscher nennen das den „Brain-Drain-Effekt“: Ein Teil der kognitiven Ressourcen bleibt unbewusst beim Smartphone „hängen“.

Konsequenz für den Alltag: Wenn das Handy beim Lernen sichtbar neben dem Heft liegt, arbeitet das Gehirn mit angezogener Handbremse.

Multitasking ist ein Mythos – und stört beim Lernen

Eine Studie von Ophir, Nass & Wagner aus dem Jahr 2009 vergleicht intensive Medien-Multitasker mit weniger intensiven Medien-Multitaskern. Das Ergebnis: Die intensiven Medien-Multitasker haben mehr Mühe, irrelevante Reize auszublenden und können weniger effektiv zwischen Aufgaben umzuschalten. Sie erzielten bei Tests, die die Konzentration und kognitive Kontrolle messen, schlechtere Ergebnisse.

Die Forscher der Studie schlussfolgerten: Das Gehirn sei nicht dafür gemacht, mehrere aufmerksamkeitsintensive Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Überträgt man die Erkenntnisse auf das Lernen, so gilt: Gleichzeitig chatten, scrollen, streamen und lernen überlastet die Aufmerksamkeit – und macht das Lernen letztendlich weniger effektiv.

Weitere interessante Erkenntnisse zum Mythos Multitasking findest du in diesem Blogbeitrag.

Bildschirmzeit beeinflusst die Schulnoten

Viele Studien konnten einen Zusammenhang zwischen exzessiver Bildschirmzeit und schlechteren schulischen Leistungen nachweisen. Je höher die Bildschirmzeit, desto weniger Zeit bleibt für Schlaf, Bewegung und soziale Interaktion – was sich negativ auf schulische Leistungen auswirkt.

Wichtig für Eltern: Es geht nicht darum, jede Minute Bildschirm zu verteufeln, sondern zu verstehen: Wie, wie lange und wofür digitale Medien genutzt werden, macht den Unterschied.

Was können Eltern tun, um die Konzentration ihres Kindes zu fördern?

Die gute Nachricht: Sie müssen nicht alles verbieten oder kontrollieren. Aber einige klare, konsequente Maßnahmen können die Konzentration Ihres Kindes spürbar verbessern.

Konzentrationsfreundliche Lernzonen schaffen

  • Führen Sie einen Smartphone-Parkplatz ein: Während der Lernzeiten liegt das Handy nicht am Schreibtisch oder Küchentisch, sondern außerhalb des Sichtbereichs Ihres Kindes, z. B. im Flur oder Wohnzimmer.
  • Deaktivieren Sie Benachrichtigungen: Das Handy wird stumm- oder in den Flugmodus geschalten, um akustische Ablenkung zu verhindern.
  • Richten Sie Lernbereiche ein: Schaffen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern reizarme Bereiche, die den Fokus auf das Lernen ermöglichen. So ein Lernbereich kann, muss jedoch nicht der Schreibtisch im eigenen Zimmer sein.

Struktur statt Dauerfeuer

  • Legen Sie Lernzeiten fest: Zwischen WhatApp-Nachrichten und TikTok noch schnell die Mathe-Hausaufgaben machen? Besser nicht. Legen Sie mit Ihrem Kind feste Lernzeiten fest und erklären Sie diese zur handyfreien Zeit. Verschiedene Lerntechniken, wie z.B. die Pomodoro-Technik, können dabei helfen, die Lernzeiten besser zu strukturieren.
  • Definieren Sie bildschirmfreie Bereiche: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über medienfreie Zeiten und/oder Zonen und legen Sie Regeln fest, die für alle Familienmitglieder gelten.
    Zum Beispiel: Beim Essen wird das Smartphone weggelegt.
    Achten Sie besonders vor dem Schlafengehen auf eine medienfreie Zeit von 30 bis 60 Minuten, um die Schlafqualität und damit die Konzentrationsfähigkeit Ihres Kindes zu verbessern.

Vom Polizisten zum Coach

Besonders bei Teenagern hilft es wenig, wenn Eltern nur verbieten. Schlüpfen Sie lieber in die Rolle eines Coaches und und helfen Sie Ihrem Kind dabei, sich selbst zu helfen.

  • Seien Sie ein Vorbild: Kinder merken sich weniger, was Eltern sagen – und mehr, was sie tun. Wenn das Smartphone Ihr wichtigster Begleiter ist und Sie ständig das Handy in der Hand haben, färbt das auch auf ihr Kind ab.
  • Starten Sie ein Gespräch auf Augenhöhe: Sie wollen gleich loslegen und Lernzeiten festlegen? Beziehen Sie Ihr Kind beim Festlegen der Regeln für das Lernen mit ein. Erklären Sie Ihre Überlegungen und kommunizieren Sie Ihrem Kind, warum Ihnen bestimmte Punkte wichtig sind.
    Beispiel: „Ich sehe, dass das Hausaufgabenmachen bei dir sehr lange dauert und du danach kaum mehr Zeit für andere Dinge hast. Wenn du das Handy für einige Zeit weglegst, kannst du dich besser konzentrieren und wirst schneller fertig.“
  • Entscheiden Sie nicht über die Bedürfnisse Ihres Kindes hinweg: Ihr Kind braucht nach der Schule zur Entspannung ein bisschen Zeit am Handy und kann nicht sofort mit den Hausaufgaben starten? Berücksichtigen Sie das beim Festlegen der Lernzeiten.
  • Stellen Sie Coaching-Fragen: Gehen Sie in Dialog mit Ihrem Kind und vermeiden Sie Vorwürfe. Statt: „Du hängst viel zu viel am Handy!“ fragen Sie lieber:
    „Was brauchst du, damit du 30 Minuten wirklich konzentriert Hausaufgaben machen kannst?“ 
    „Wie können wir dein Handy so einstellen, dass es dir beim Lernen hilft statt dich dauernd rauszureißen?“

Vom Störfaktor zum Werkzeug: So unterstützt das Smartphone beim Lernen

Komplett „offline“ lernen ist weder realistisch noch sinnvoll – gerade bei weiterführenden Schulen. Sinnvoll eingesetzt kann das Smartphone sogar ein hilfreiches Werkzeug beim Lernen sein. Sinnvolle Nutzungen können beispielsweise sein:

  • Recherche für Referate oder Hausaufgaben mit klarer Aufgabenstellung und Zeitlimit
  • Lern-Apps oder Vokabeltrainer
  • Timer-Apps zur Umsetzung von Lerntechniken

Damit das Lernen mit Smartphone funktioniert, sollten Eltern auf folgende Punkte achten:

  • Fokus-Modus nutzen: Nur die App öffnen, die gerade zum Lernen gebraucht wird und andere Apps per „App-Limits“ oder Fokusmodus ausblenden. Alternativ: ein Gerät ohne ablenkende Apps verwenden (z.B. ein Tablet ohne Social Media Apps oder WhatsApp)
  • Analoges und digitales Lernen kombinieren: Die Kombination von gedrucktem und digitalem Lernmaterial vereint das Beste aus zwei Welten und sorgt für Abwechslung beim Lernen. Bei STARK enthalten viele Übungshefte und Bücher digitale Ergänzungen wie Lernvideos, interaktive Aufgaben oder digitale Karteikarten.
    Beispiel: 20 Minuten Lernen mit dem Buch, danach 5 Minuten interaktive Aufgaben zum Wiederholen, Handy dann wieder weg.
  • Active Recall mit dem Smartphone umsetzen: Active Recall ist eine effiziente Lernmethode, bei der das aktive Erinnern von Lerninhalten im Fokus steht. Dadurch können sich Lerninhalte deutlich besser als beim passiven Lesen im Gehirn verankern. Ein Beispiel, wie sich Active Recall mit dem Smartphone umsetzen lässt, sind digitale Karteikarten.

Wenn ihr Kind diese Punkte beim Lernen mit dem Smartphone berücksichtigt, wird aus dem „Feind des Lernens“ ein bewusst eingesetztes Werkzeug – unter klaren Spielregeln.

Checkliste: 5 Schritte, mit denen Sie heute starten können

Die folgenden fünf Punkte für mehr Konzentration beim Lernen können Sie noch heute angehen:

✅ Smartphone-Parkplatz festlegen: außerhalb des Sichtfeldes beim Lernen, Flugmodus wird aktiviert

Lernzeiten planen, z.B. Lernen in Blöcken mit ausreichend Pausen dazwischen

✅ Lernplätze festlegen, z.B. Schreibtisch, Küchentisch oder die Couch zum Vokabellernen

✅ Medienfreie Zeiten vereinbaren, z.B. während des Essens oder eine Stunde vor dem Schlafengehen

✅ In Dialog gehen: „Was brauchst du, um besser und konzentrierter lernen zu können?

Mit kleinen Veränderungen Großes bewirken

Sie müssen weder alle Apps löschen noch jede Minute, die ihr Kind am Smartphine verbringt, kontrollieren.

Aber wenn Sie...

  • ... die Umgebung reizarm und lernfördernd gestalten,
  • ... klare Zeitfenster für das Lernen setzen und
  • ... Ihr Kind im Sinne eines Coachs statt Kontrolleurs begleiten,

schaffen Sie genau die Bedingungen, die das Gehirn für konzentriertes Lernen braucht – auch im Zeitalter von Smartphone & Co.

Veröffentlicht in Eltern-Ratgeber


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