Der Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule ist für Kinder und Eltern ein wichtiger Schritt. In Baden-Württemberg (BW) begleitet das Neue Aufnahmeverfahren in Klasse 4 (NAVi 4 BW) diesen Übergang. Ein wesentlicher Bestandteil ist die landesweit einheitliche Kompetenzmessung Kompass 4. Sie wird im ersten Halbjahr der 4. Klasse durchgeführt und erfasst den Leistungsstand in Mathematik und Deutsch auf Grundlage des Bildungsplans der Grundschule.
Doch welche Bedeutung hat Kompass 4 für die Wahl der weiterführenden Schulart? Und vor allem: Wie können Eltern ihr Kind sinnvoll darauf vorbereiten? In diesem Blogbeitrag erhalten Sie Tipps für die Vorbereitung auf den Kompass 4 Test.
Kompass 4 ist eine von drei wichtigen Säulen für den Übertritt
Vereinfacht lässt sich der Übergang auf drei wichtige Säulen stützen:
- das Ergebnis von Kompass 4,
- die Einschätzung der Schule
- der Elternwille
Die Klassenkonferenz nimmt eine pädagogische Gesamtwürdigung vor. Dabei berücksichtigt sie insbesondere die Leistungen in Mathematik und Deutsch sowie überfachliche Kompetenzen wie Arbeiten, Lernen und Verhalten.
Auch der Elternwille spielt für den Übertritt weiterhin eine wichtige Rolle. Für die Aufnahme am Gymnasium gilt: Neben dem Elternwunsch muss entweder eine entsprechende Empfehlung der Klassenkonferenz oder ein entsprechendes Ergebnis bei Kompass 4 vorliegen. Kompass 4 ist damit ein wichtiger Baustein des Übergangsverfahrens – aber nicht der einzige.
Was wird bei Kompass 4 überprüft?
In Mathematik werden die Bereiche „Zahlen und Operationen“, „Raum und Form“, „Größen und Messen“ sowie „Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“ überprüft. In Deutsch werden Aufgaben zum „Leseverständnis“, zur „Rechtschreibung“ und zum „Sprachgebrauch“ gestellt.
Viele der einzelnen Aufgaben sind für Viertklässler fachlich gut zu bewältigen. Die eigentliche Herausforderung liegt häufig an einer anderen Stelle: Die Kinder müssen bei Kompass 4 an der Grundschule in BW viele unterschiedliche Aufgaben in begrenzter Zeit bearbeiten.
Für ein Fach stehen 45 Minuten zur Verfügung. Bei rund 20 Aufgaben bedeutet das im Durchschnitt nur etwa zwei Minuten pro Aufgabe. Deshalb ist eine gute Vorbereitung mehr als das Wiederholen von Mathematik und Deutsch. Kinder sollten auch lernen:
- genau zu lesen
- konzentriert zu arbeiten
- ihre Zeit sinnvoll einzuteilen
Tipp 1: Nicht an einer schwierigen Aufgabe festbeißen
Für viele Kinder ist das zunächst ungewohnt: Sie beginnen eine Aufgabe und möchten sie unbedingt lösen, bevor sie zur nächsten gehen. Kommen sie nicht weiter, überlegen und probieren sie immer länger – und verlieren dabei wertvolle Minuten.
Genau das sollte beim Üben trainiert werden. Findet ein Kind nicht gleich einen Lösungsweg, sollte es die Aufgabe zunächst überspringen und mit der nächsten weitermachen. Sind am Ende noch einige Minuten übrig, kehrt es zu den ausgelassenen Aufgaben zurück und versucht sie noch einmal.
Diese Strategie muss man Kindern ausdrücklich erlauben und mit ihnen einüben. Denn gerade in diesem Alter fällt es vielen noch schwer, eine ungelöste Aufgabe zurückzulassen. Dabei kann es unter Zeitdruck viel sinnvoller sein, zunächst die Aufgaben zu bearbeiten, die schnell und sicher gelöst werden können.
Tipp 2: Genau lesen – und nur das tun, was verlangt wird
Bei Kompass 4 ist es in Mathematik und Deutsch wichtig, die Aufgabenstellungen genau zu lesen. Denn wer eine Aufgabe nur überfliegt, übersieht möglicherweise eine wichtige Anweisung – oder macht mehr, als eigentlich verlangt wird. Beides kann unnötig Zeit kosten.
Ein gutes Beispiel dafür sind die Rechenkästchen unter vielen Mathematikaufgaben. Sie können für Nebenrechnungen oder kurze Notizen genutzt werden. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass dort ein vollständiger Rechenweg aufgeschrieben werden muss. Entscheidend ist immer die Aufgabenstellung: Was wird tatsächlich verlangt?
- Soll nur ein Ergebnis eingetragen werden?
- Muss etwas angekreuzt, ergänzt oder begründet werden?
- Oder wird ausdrücklich ein Rechenweg gefordert?
Gerade in Mathematik verlieren Kinder wertvolle Zeit, wenn sie vorsichtshalber bei jeder Aufgabe sämtliche Rechenschritte notieren. Innerhalb der 45 Minuten reicht die Zeit dafür kaum aus.
Deshalb sollte beim Üben in beiden Fächern eine wichtige Regel gelten: Genau lesen und nur das tun, was verlangt wird.
Tipp 3: Ein sicheres Einmaleins schafft Tempo
Zeit lässt sich natürlich nicht nur durch eine gute Strategie gewinnen. Auch automatisiertes Grundwissen hilft. Das gilt in Mathematik besonders für das Einmaleins. Wer bei einer Multiplikations- oder Divisionsaufgabe lange überlegen muss, benötigt Zeit und Konzentration, die bei schwierigeren Aufgaben fehlen können.
Deshalb lohnt es sich, vor Kompass 4 zu überprüfen, wie sicher das kleine Einmaleins sitzt, und es bei Bedarf noch einmal regelmäßig zu üben. Auch das große Einmaleins, also die Multiplikationsaufgaben von 11 bis 20, sollte vor dem Kompass 4 Test an der Grundschule möglichst sicher beherrscht werden.
Ziel ist, grundlegende Rechenergebnisse möglichst schnell und sicher abrufen zu können, statt sie jedes Mal neu ausrechnen zu müssen.
Tipp 4: Zeitmanagement gezielt trainieren
Kinder sollten vor Kompass 4 nicht nur einzelne Aufgaben bearbeiten, sondern ein oder mehrere vollständige Übungssets unter realistischen Zeitbedingungen lösen. Dafür kann ein Wecker auf 45 Minuten gestellt werden. Beim ersten Versuch, die Kompass 4 Beispielaufgaben zu lösen, muss noch nicht alles fertig werden. Viel interessanter ist anschließend die gemeinsame Auswertung: Wo ist die Zeit geblieben?
Hat das Kind lange an einzelnen Aufgaben gegrübelt? Hat es mehr aufgeschrieben, als verlangt war? Musste es Aufgaben mehrfach lesen? Oder fehlen noch grundlegende Rechenfertigkeiten, sodass eigentlich einfache Aufgaben zu viel Zeit kosten? Auf diese Weise entwickelt sich nach und nach ein Gefühl dafür, wie schnell 45 Minuten vergehen – und wie sich die verfügbare Zeit besser nutzen lässt.
Sicherheit statt zusätzlichem Druck
Eine gute Vorbereitung auf Kompass 4 bedeutet deshalb nicht, möglichst viel zusätzlichen Lernstoff zu bewältigen. Sinnvoller ist es, die fachlichen Grundlagen in Mathematik und Deutsch zu festigen und gleichzeitig eine gute Arbeitsstrategie aufzubauen.
Dazu gehören vor allem drei Dinge:
- Aufgabenstellungen genau lesen,
- die Zeit im Blick behalten und
- bei einer schwierigen Aufgabe rechtzeitig weitergehen.
Wer diese Strategien vorher mehrfach ausprobiert hat, muss sie während des Kompass 4-Tests nicht erst entwickeln. Das gibt Sicherheit – und hilft Kindern dabei, in den 45 Minuten möglichst gut zu zeigen, was sie tatsächlich können.
Bildnachweis für https://www.stark-verlag.de/media/wysiwyg/blog/2026/kompass-4-bw-vorbereitung_1200x630px_AI.jpg?rand=1791359567298: KI-generiert mit ChatGPT 5.6 Sol

