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MINT zum Anfassen

Deutschland fehlt es an IT-Fachkräften und Ingenieuren – und an Menschen, die MINT-Fächer unterrichten. Eine Initiative, um junge Menschen für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, ist die Mitmachmesse FORSCHA. Der STARK Verlag hat mit den Messeveranstaltern gesprochen, um mehr über die FORSCHA zu erfahren.

Interview mit Petra Griebel, Institutsleitung des Veranstalters i!bk Institut für innovative Bildungskonzepte

Den Naturwissenschaften haftet in Deutschland ein schlechtes Image an. Mathematik gilt als Problemfach Nr. 1 und bereits in der Grundschule zeigen Kinder laut der TIMSS-Studie im internationalen Vergleich Defizite. Nach der aktuellen PISA-Studie haben deutsche Schüler nur wenig Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern. Viele Jugendliche teilen eine negative Einstellung gegegüber Fächern wie Mathe und Physik. Ebenso vermitteln die Medien oft das Bild, naturwissenschaftlich Interessierte gehören einer kleinen Randgruppe an. Schnell wird man dann als Nerd abgestempelt. Die FORSCHA möchte mit diesem Image aufräumen und lädt dazu einmal im Jahr Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte und alle Technikbegeisterten auf eine interaktive Entdeckungsreise durch die Naturwissenschaften ein.

STARK: Frau Griebel, die FORSCHA findet nun schon zum 8. Mal statt. Auf welche Highlights dürfen sich die Besucher denn dieses Jahr freuen? Können Sie uns schon etwas über die Aussteller verraten?

Petra Griebel: Unsere Aussteller sind innovative Unternehmen, die einen Blick hinter die Kulissen ihrer vielfältigen Berufe vor allem im Bereich MINT ermöglichen, Anbieter von kreativen, neuartigen Unterrichtsmaterialien, Verlage und Verbände wie zum Beispiel die Bayerischen Chemieverbände,  Ministerien wie z.B. die Bayerische Staatskanzlei, das Kultusministerium unseres Schirmherrn Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle, Coachinganbieter, Maker, Akteure von MINT-Regionen oder Bildungsinstitutionen.
Die Frage nach den Highlights ist schwer zu beantworten. Ganz sicher gehören Coding- und Programmier-Workshops dazu, Virtual Reality, 3D Druck, die MiniMakerWorld, die Recycling Area und die größte LEGO® Fan-Ausstellung des Jahres in Deutschland.

Das klingt spannend. Können Sie uns noch ein paar Beispiele geben, was die Besucher alles mitmachen oder ausprobieren können?

Die Auswahl ist riesig: Haardicke messen, Kristalle untersuchen, humanoide Roboter programmieren, Trickfilmer werden, Miniroboter zum Laufen bringen. Wie das weltgrößte Spiegelteleskop E–ELT funktioniert, das demnächst in der Atacama-Wüste in Chile stehen wird, erleben die Besucher an einem Großteleskop auf dem Stand der Europäische Südsternwarte ESO. Hier bilden Tutoren schon 10-jährige am PC zu Astrophysikern aus, bearbeiten und bewerten mit ihnen Fotos des Weltraumteleskops Hubble. Das ATHENE Racing-Team präsentiert am Stand der Bundeswehr selbst gebaute Formel-Rennwagen und demonstriert deren Entwicklung  und Konstruktion. Aber auch fräsen, löten, sägen und bohren lernen die Youngsters und nicht selten lassen sich auch die Eltern von den Mitmachangeboten mitreißen. Chemiker zeigen in ihrer Experimentier-Werkstatt, wie man eine Kläranlage im Taschenformat baut oder mit einem Superabsorber Wasser zum Verschwinden bringt. Bei Inspektor Energie wartet ein spannendes Puppentheater mit dem cleveren Detektiv und einem nimmersatten Müllmonster, Experimente mit Energie und einem Akkuschrauber und ein geheimnisvoller Recycl-O-Mat. Spielerisch wird so mit allen Sinnen begreifbar gemacht, was Recycling ist und warum manche Dinge zu wertvoll für den Müll sind.

„Kleine Kinder sind von Natur aus Forscher und Entdecker. [...] Die FORSCHA ist sicher ein Erlebnis-Baustein, um das Interesse auf lange Sicht zu steigern.“ 

Apropos spielerisch lernen: Mit Ihrer Messe verfolgen Sie das Ziel, den Wissenstrieb von Kindern und Jugendlichen zu wecken. Haben Sie den Eindruck, dass ein Besuch auf der FORSCHA dazu beiträgt, das Interesse für Naturwissenschaften langfristig zu erhöhen?

Kleine Kinder sind von Natur aus Forscher und Entdecker. Hier gilt es, diese Wissbegier zu nutzen und schon die Jüngsten spielerisch und mit allen Sinnen an neue Dinge heranzuführen. Junge Menschen müssen in ihrer Lebenswelt abgeholt werden – dazu gehört z. B. ihr Umgang mit dem Mobiltelefon. Wenn ihnen bewusst (gemacht) wird, wie viel MINT in dem Gerät steckt, werden MINT-Fächer in der Schule und vielleicht auch ein Studium oder ein Beruf in dieser Richtung cool. Die FORSCHA ist sicher ein Erlebnis-Baustein, um das Interesse auf lange Sicht zu steigern. Aber man muss an vielen Stellschrauben drehen, was auch geschieht. Es gibt viele Initiativen, die sich sehr fantasievoll mit der Thematik beschäftigen. MINT-Regionen werden ausgezeichnet und deren Aktivitäten gebündelt, um sie sichtbar zu machen. Auf jeden Fall ist es ganz entscheidend, das Interesse entlang der Bildungskette mit altersgerecht inszenierten Aktionen zu wecken oder aufrecht zu erhalten. 

Wenn ich mit Physik, Chemie und Co. gar nichts anfangen kann – warum sollte ich dann trotzdem die FORSCHA besuchen?

Gerade dann ist die FORSCHA ein Entdecker-Reich. Mit ihren Partnermessen SPIELWIESN und DIE MODELLBAHN zieht sie ein aufgeschlossenes Publikum an – viele Familien, die etwas gemeinsam erleben wollen. Die müssen sich zunächst erst einmal gar nicht für MINT interessieren, sie sind aber neugierig, wandern durch die Hallen und bleiben erst interessiert, später meist fasziniert an den Ständen der FORSCHA-Aussteller hängen. Hier erleben sie Bildung und Unterhaltung auf hohem Niveau. Ein niedrigschwelliger Einstieg. Das war auch bewusst von uns so konzipiert.

Und das Konzept scheint zu funktionieren, wenn man die Besucherzahlen des letzten Jahres betrachtet – aber gilt das für Jungen und Mädchen gleichermaßen? Microsoft hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, der zufolge im Alter von 16 Jahren das Interesse von Mädchen an MINT-Fächern drastisch sinkt. Spiegelt sich das auch in den Besucherzahlen wieder? Und gibt es auf der FORSCHA spezielle Angebote für Mädchen?

Nein, davon merken wir wenig, vielleicht auch bedingt durch unseren Messemix. Das ist aber nur meine Mutmaßung. Zudem sehen wir, dass Mädchen und Jungs sich genau so oft im Bastelforum aufhalten, um etwa Glasmosaike zu kleben, wie beim 3D-Drucken, Coden oder Fräsen. Der einzige Aussteller, der mir bekannt ist, der ein speziell auf Mädchen zugeschnittenes Programm anbietet, ist pepp@MINT mit Roberta-Programmier-Workshops. Dieses Mal bringt die Roberta-Teacherin Andrea Herold den Minicomputer Calliope mit.

„Pädagogen finden jede Menge Inspiration für den beruflichen Alltag, neue (multimediale) Lehr- und Lernmittel, Unterstützung und Impulse bei der Umsetzung des LehrplanPLUS.“

Viele Ihrer Messebesucher sind Lehrkräfte der MINT-Fächer. In welcher Hinsicht ist die FORSCHA für Pädagogen interessant?

Das Messetrio FORSCHA, SPIELWIESN und DIE MODELLBAHN bietet mit seinem bunten Mitmachprogramm – EXPERIMENTIEREN – PROGRAMMIEREN – ENTWICKELN – SPIELEN – BASTELN – BAUEN – FORSCHEN – ein ähnliches Angebot wie die weltgrößte Fachmesse rund um Bildung, die „didacta“. Pädagogen finden jede Menge Inspiration für den beruflichen Alltag, neue (multimediale) Lehr- und Lernmittel, Unterstützung und Impulse bei der Umsetzung des LehrplanPLUS. Zudem ist ein Schwerpunktthema in diesem Jahr die „digitale Bildung“. Am SchulFREItag, dem Auftakttag, gibt es übrigens volles Programm in allen Hallen speziell für Kitas, Schulklassen und Pädagogen. Lehrerfortbildungen runden das Angebot ab. So wird die FORSCHA zum aufregendsten Klassenzimmer Bayerns.

Die FORSCHA startet am 17. November. Was wünschen Sie sich für die drei Messetage der diesjährigen FORSCHA?

Langfristig wünschen wir uns ein weiterhin zunehmendes Engagement innovativer Aussteller, die den Nachwuchs für MINT und mehr begeistern, berufliche Perspektiven aufzeigen, Pädagogen inspirieren und Zukunftsentwicklungen erlebbar machen. Für dieses Jahr hoffen wir auf einen weiteren Besucherrekord und vor allem, dass unser SchulFREItag und die Lehrerfortbildungen ein voller Erfolg werden.

Dazu wünschen wir Ihnen das Allerbeste und den kleinen und großen Besuchern viel Spaß. Weitere Informationen zur FORSCHA 2017 gibt es unter www.forscha.de.

Petra Griebel, Institutsleitung i!bk
© iibk/zimmermann

FORSCHA 2017 Gewinnspiel

Gewinnspiel

Lehrkräfte aufgepasst: Wir suchen das Experiment, das Sie und Ihre Klasse auf die FORSCHA bringt

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Über das i!bk Institut für innovative Bildungskonzepte: Das i!bk initiiert, konzeptioniert und organisiert erlebnis- und handlungsorientierte Unterrichtsmodule und Bildungsveranstaltungen nach dem Prinzip „Begeistern statt Belehren“. Als Schnittstelle für Akteure aus Bildung, Politik und Wirtschaft vernetzt das i!bk die passenden Partner und setzt die Konzepte gemeinsam erfolgreich in die Tat um. Einen Schwerpunkt der mehrfach ausgezeichneten Arbeit des i!bk (u.a. UN Dekade Projekte für nachhaltige Bildung) bilden mobile Bildungsinitiativen. www.iibk.eu